Das fehlende Licht im Herbst schlägt auf die Stimmung. Hier erfahren Sie, was Sie dagegen tun können.

Durch raschelnde Blätter spazieren, die erste Kürbissuppe löffeln, wieder in den kuscheligsten Pullovern leben. Das sind die romantischen Seiten des Herbstes. Doch nicht alle Menschen können die nass-graue Zeit so genießen. Bei einigen nisten sich Antriebslosigkeit, Müdigkeit und trübe Gedanken im Alltag ein – kurz: der Herbstblues.

Der hat laut der Psychiaterin Sabine Barry viel mit den kürzeren Tagen und dem fehlenden Sonnenlicht zu tun. Denn das ist unter anderem wichtig für unseren Tagesrhythmus und für die Produktion von Vitamin D, das Einfluss auf unsere Stimmung nimmt. Im Interview verrät sie, mit welchen Routinen wir dem Herbstblues entkommen können – und woran wir erkennen können, dass wir möglicherweise bereits eine Depression entwickelt haben.

Was können wir tun, damit uns der Herbstblues nicht erwischt?
Sabine Barry: Ich empfehle, viel in die Sonne gehen und das Tageslicht nutzen. Etwa in der Mittagspause einen Spaziergang zu machen oder einen Ausflug in die Natur – und vielleicht mal Waldbaden ausprobieren. Auch Bewegung und Sport sind wichtig, sie wirken präventiv gegen eine Depression. Das fängt schon bei kleinen Gewohnheiten an. Zum Beispiel, auf den Aufzug zu verzichten und die Treppe zu nutzen.

Viele Menschen haben im Herbst mit depressiven Stimmungen zu kämpfen.
Viele Menschen haben im Herbst mit depressiven Stimmungen zu kämpfen. Foto: Сергей Старостов - stock.adobe.com

Wir können außerdem darauf achten, Tryptophane in die Ernährung einzubauen. Das ist eine hormonelle Vorstufe des Serotonins, das als Glückshormon bekannt ist. Tryptophan steckt in Käse, Fisch, Fleisch, Nüssen und Hülsenfrüchten – und auch in Schokolade mit einem hohen Kakaoanteil. Ohnehin sollte man gerade im Herbst und Winter auch auf die Ernährung achten und viel frisches Obst und Gemüse einbauen. Auch Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D können eine Option sein. Die meisten Menschen in unseren Breitengraden haben im Herbst und Winter einen zu niedrigen Vitamin-D-Spiegel. Wer den Verdacht hat, einen Mangel zu haben, für den ist eine Messung des Vitamin-D-Spiegels beim Arzt durchaus sinnvoll.

Auch Tageslichtlampen können helfen. Was muss ich beim Kauf und bei der Nutzung beachten?
Barry: Beim Kauf einer solchen Tageslichtlampe sollte man darauf achten, dass sie ein zertifiziertes Medizinprodukt ist und eine Beleuchtungsstärke von mindestens 10 000 Lux hat.

Um den natürlichen Tagesrhythmus zu unterstützen, setzt man sich am besten morgens vor die Lampe, mindestens eine halbe Stunde. Man kann das aber auch zu einer anderen Tageszeit machen – nur vor dem Schlafengehen ist ungünstig. Dabei sollte man hin und wieder in das Licht hineinblinzeln. Man sollte aber nicht die ganze Zeit in die Lampe hineinschauen, das kann den Augen auf Dauer schaden.

Woran merke ich, ob sich der Herbstblues zu einer saisonalen Depression entwickelt, die behandelt werden sollte?
Barry: Man kann sich einen Überblick über die Symptome verschaffen. Ist man lustlos, motivationslos, reizbar, hat Stimmungsschwankungen, ist eher müde und hat Heißhunger-Attacken, vor allem auf Kohlenhydrate und Süßigkeiten? Das alles können Hinweise auf eine saisonal abhängige Depression sein.

Ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe sollte man sich suchen, wenn sich diese Symptome immer stärker ausprägen. Also zum Beispiel, wenn man keine Lust mehr hat, aus dem Haus zu gehen. Oder: Wenn man seiner Arbeit nicht mehr nachgehen kann, der Haushalt liegen bleibt oder man die Post nicht mehr öffnet.

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Tipp des Monats

Osteoporose vorbeugen: Bewegung macht die Knochen stabiler

Damit die Knochen stark bleiben, braucht es nicht nur eine Ernährung, in der ordentlich Calcium steckt. Warum auch Bewegung so wichtig ist.

Knochen müssen regelmäßig belastet werden, um stabil zu bleiben und weniger schnell zu brechen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) hin. Belastung für die Knochen heißt: Bewegung.

Ob Fußballtraining, Joggen, Pilates oder Radfahren: Vor allem dann, wenn es sportlich wird, regt Bewegung den Knochenstoffwechsel an.

„Dies geschieht durch die Muskeln, die am Knochen ziehen. Sie geben das Signal, mehr Calcium in das Skelettsystem zu transportieren und einzulagern“, so Prof. Uwe Maus von der DGOU. Dadurch gewinnen die Knochen an Stabilität – und auch Osteoporose wird vorgebeugt.

Auch die Ernährung zahlt auf die Knochenstärke ein

Besonders wichtig ist Sport übrigens für Kinder und Jugendliche. Denn bei ihnen baut sich die Knochenmasse noch auf.

Ganz ohne die Ernährung geht es aber nicht. Wichtig ist daher, reichlich Calcium zu sich zu nehmen – etwa durch Lebensmittel wie Milch, Hartkäse, Mineralwasser oder Spinat. Damit der Körper das gut verwerten kann, braucht es Vitamin D. Das bildet der Körper mithilfe von Sonnenlicht, es steckt aber auch in fettem Seefisch wie Hering oder Lachs.