Erste Hilfe leisten und gleichzeitig Abstand halten - geht das?

Abstand halten ist in der aktuellen Corona-Zeit das Gebot der Stunde. Meist reichen für einen guten Schutz bereits 1,5 Meter von Mensch zu Mensch. Doch was tun, wenn vor Ihnen jemand bewusstlos zusammenbricht?

Aus 1,5 Metern Entfernung Hilfe leisten, geht schlecht. Für die aktuelle Corona-Zeit gibt es daher nun geänderte Erste-Hilfe-Regeln, die jeder zu seinem eigenen Schutz kennen sollte. Wissen Sie, was zu tun ist, wenn vor Ihren Augen zum Beispiel ein 50-jähriger Mann zusammensackt und leblos liegenbleibt? Falls Ihr letztes Erste- Hilfe-Training noch nicht zu lange zurückliegt, werden Sie die Person sicherlich als erstes ansprechen, an ihren Schultern rütteln und bei fehlen- der Reaktion die Atmung überprüfen, wozu man sich bislang so nah wie möglich über das Gesicht des Bewusstlosen beugte. Wegen der Corona-Pandemie wird dies so nun allerdings nicht mehr empfohlen.

 

Bei einem Notfall zählt jede Minute. Foto: i-picture - stock.adobe.com

Atmung wegen Corona jetzt anders überprüfen

Seit Corona wird die Atmung anders überprüft. Ohne dass man dicht an das Gesicht des Bewusstlosen herangeht, wird lediglich durch Hinschauen geprüft, ob sich der Brustkorb regelmäßig auf- und abbewegt. Ist dies nicht der Fall und zeigt die Person keine Reaktion auf laute Ansprache und Rütteln, ist sofort der Rettungsdienst zu alarmieren und umgehend mit der Herzdruckmassage zu beginnen.

Hinweis: Eine Schnappatmung zählt nicht als normale Atmung. Denn unter einer Schnappatmung versteht man kurze, ruckartige Atemzüge mit längeren Pausen, wie dies reflexartig häufig kurz vor dem Tod noch einmal auftritt. Bei einem Bewusstlosen mit Schnappatmung ist daher ebenfalls mit der Herzdruckmassage zu beginnen.

Mund-zu-Mund- Beatmung weglassen

Die Mund-zu-Mund-Beatmung gehört zu den Hauptgründen, die viele Menschen vom Erste-Hilfe-Leisten abschreckt. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass die Herzstiftung zusammen mit anderen Organisationen bereits seit Jahren empfiehlt, dass Laien die Mund-zu-Mund-Beatmung weglassen, wie dies der Vorsitzende der Herzstiftung, Prof. Dr. med. Dietrich Andresen, anlässlich der Covid-19-Pandemie noch einmal ausdrücklich betont. Ausnahmen davon stellen Herzkreislaufstillstände zum Beispiel infolge von Ertrinkungsunfällen dar. Denn in solchen Fällen kann die zusätzliche Mund-zu-Mund-Beatmung für die Überlebenschancen wesentlich sein.

Tuch über Mund und Nase legen

Eine weitere Hilfe und Schutz vor einer Infektion durch Viren wird erreicht, indem man während der Herzdruckmassage ein Tuch über Mund und Nase legt. Ebenso kann es als Ersthelfer empfehlenswert sein, selbst eine Schutzmaske zu tragen, wie sie mittlerweile ja die meisten Menschen immer dabeihaben.

Abgesehen von den neuen Corona bedingten Erste-Hilfe-Regeln sollten Sie unbedingt darauf achten, in einem solchen Notfall Fehler zu vermeiden. Der mit Abstand größte Fehler ist zum Beispiel, dass viele Menschen nicht wissen, was eigentlich die allerwichtigste Frage ist, die man zu jeder Tages- und Nachtzeit sofort und ohne Nachdenken parat haben muss, wenn ein Mensch bewusstlos zusammenbricht. Nämlich: Liegt ein Herzstillstand vor und muss ich daher mit einer Reanimation beginnen? Zum Erkennen eines solchen Herz- kreislaufstillstands sprechen Sie die Person dann wie oben erläutert einfach an, rütteln an ihren Schultern und bei ausbleibender Reaktion und fehlender Atmung beginnt man so schnell wie möglich mit der Herzdruckmassage.

Darauf kommt es beim Notruf an

Ein weiterer Fehler ist, dass man die 112 erst wählt, nachdem schon mehrere Minuten reanimiert wurde. Dabei muss man wissen, dass die Herzdruckmassage selbst das Herz meist nicht wieder zum Schlagen bringt, sondern vor allem dazu dient, die Zeit zu überbrücken, bis der Rettungsdienst eintrifft, der mit einem Defibrillator und Medikamenten das Herz wieder zum Schlagen bewegen kann. Je mehr Zeit bis zur Defibrillation verloren geht, desto geringer sind die Erfolgschancen, woraus sich die wichtige Empfehlung ableitet, den Notarzt zu rufen, ehe man die Herzdruckmassage beginnt.

Sind  mehrere  Ersthelfer  anwesend, wird der Rettungsdienst optimalerweise parallel von einer zweiten Person gerufen, während die Reanimation bereits begonnen wird. Empfehlenswert ist es zudem, das Handy beim Notruf auf Freisprechen zu stellen, damit die Leit- stelle die Reanimation mit Anweisungen unterstützen kann, zum Beispiel in welcher Geschwindigkeit  die Herzdruckmassage erfolgen soll oder wo genau auf dem Brustkorb zu drücken ist, was in einem solchen Notfall unter Stress eine große Hilfe darstellt und heute bei vielen Leitstellen völlig üblich ist.

Wichtig zu wissen ist zudem, dass ein Notruf eigentlich etwas äußerst Einfaches ist, wovor man in keiner Weise zurückzuschrecken braucht, wenn man die wichtigste und überaus simple Regel kennt: Legen Sie erst auf, wenn es Ihnen die Rettungsleitstelle sagt. Ver- gisst man bei der Schilderung des Not- falls etwas, wird die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter der Leitstelle einfach solange nachfragen, bis alle wichtigen Informationen vorliegen, inklusive der immens wichtigen Frage, an welcher Adresse sich der Notfall exakt befindet, um überhaupt den Notarzt losschicken zu können. Zum Albtraum eines Leitstellen-Mitarbeiters gehören dabei Anrufe mit unterdrückter Rufnummer, bei denen nur gesagt wird „Hier ist ein Not- fall. Kommen Sie schnell“ und vor lauter Aufregung sofort wieder aufgelegt wird, was leider nicht zu selten vorkommt.

Herzdruckmassage: Wie tief drücken?

Für Verunsicherung sorgt bei der Herzdruckmassage auch immer wieder die Frage, wie tief man das Brustbein in Richtung Wirbelsäule drücken soll. Die offizielle Leitlinien-Empfehlung lautet fünf bis sechs Zentimeter, was sich in einer Notfallsituation unter Stress aber oft natürlich nur schwer abschätzen und umsetzen lässt. Selbst bei professionellen Ersthelfern sind Schwankungen der Eindrücktiefe oft an der Tagesordnung, sodass man sich als Laie von dieser hochgenauen Angabe nicht verunsichern oder sogar vom Reanimieren abschrecken lassen sollte.

Manche Notärzte ergänzen gerne als praxisnahen Tipp, dass man vor allem kräftig drücken soll und nicht selten fällt unter Notärzten auch der flapsige, aber letztendlich zutreffende Spruch: Wer nicht ordentlich hineindrückt und den Brustkorb nur streichelt, wird keinen Blutfluss zustande bekommen, mit dem sich der Hirntod des Bewusst- losen bis zum Eintreffen des Notarztes verhindern lässt.

Zu beachten ist zudem, dass ein erheblicher Teil der Herzstillstände zu Hause in den eigenen vier Wänden auf- tritt. Befindet sich die Person zum Zeitpunkt des Notfalls im Bett, kann eine sehr weiche Matratze die Herzdruckmassage unwirksam machen, da ein hartes Widerlager beim Drücken auf den Brustkorb fehlt und der Brustkorb und das Herz dann nicht ausreichend zusammengedrückt werden. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, die Person erst auf den Boden zu legen, um auf einem harten Untergrund wirkungsvoll reanimieren zu können. Ähnliches gilt, wenn sich die Person auf einer zu weichen Couch befindet.

Nicht zu langsam drücken

Ungeübte Ersthelfer führen die Herzdruckmassage oft zu langsam durch, woraufhin kein ausreichender Blutfluss im Körper zustande kommt. Empfohlen werden 100-120 Mal pro Minute, wofür man beim Reanimieren beispielsweise das an dieser Stelle viel zitierte Lied „Staying alive“ von den Bee Gees mitsummen kann, das sich im Internet mit einer kurzen Suchmaschinen Eingabe einfach finden und abspielen lässt und dessen Takt ungefähr der geforderten Herzdruckmassagen Geschwindigkeit entspricht.

Herz-Tipp:

Denken Sie bei der Herzdruckmassage so früh wie möglich daran, Ihre Ellbogen durchzustrecken, damit Sie wirkungsvoll mit dem gesamten Oberkörper drücken und Kraft sparen. Immerhin muss man durchhalten, bis der Notarzt da ist, was im Einzelfall und je nach Region leider auch mal mehr als zehn Minuten dauern kann.

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Tipp des Monats

Osteoporose vorbeugen: Bewegung macht die Knochen stabiler

Damit die Knochen stark bleiben, braucht es nicht nur eine Ernährung, in der ordentlich Calcium steckt. Warum auch Bewegung so wichtig ist.

Knochen müssen regelmäßig belastet werden, um stabil zu bleiben und weniger schnell zu brechen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) hin. Belastung für die Knochen heißt: Bewegung.

Ob Fußballtraining, Joggen, Pilates oder Radfahren: Vor allem dann, wenn es sportlich wird, regt Bewegung den Knochenstoffwechsel an.

„Dies geschieht durch die Muskeln, die am Knochen ziehen. Sie geben das Signal, mehr Calcium in das Skelettsystem zu transportieren und einzulagern“, so Prof. Uwe Maus von der DGOU. Dadurch gewinnen die Knochen an Stabilität – und auch Osteoporose wird vorgebeugt.

Auch die Ernährung zahlt auf die Knochenstärke ein

Besonders wichtig ist Sport übrigens für Kinder und Jugendliche. Denn bei ihnen baut sich die Knochenmasse noch auf.

Ganz ohne die Ernährung geht es aber nicht. Wichtig ist daher, reichlich Calcium zu sich zu nehmen – etwa durch Lebensmittel wie Milch, Hartkäse, Mineralwasser oder Spinat. Damit der Körper das gut verwerten kann, braucht es Vitamin D. Das bildet der Körper mithilfe von Sonnenlicht, es steckt aber auch in fettem Seefisch wie Hering oder Lachs.