Wie ein neuartiger Arterien-Staubsauger Leben retten kann.

Sie ist die dritthäufigste kardiovaskuläre Todesursache: eine Lungenembolie. Ihre Auslöser sind meist große Blutgerinnsel, die den Sauerstoffaustausch mit der Lunge blockieren. In der Lungenarterie lagern sich zwischen Herz und Lunge rote Blutkörperchen an, die sukzessive einen Gerinnungsklumpen bilden. Er beginnt, meistens langsam, manchmal schnell, die Arterien der Lunge zu verstopfen. Das führt zu einer Lungen-Unterfunktion mit akuter Atemnot bis hin zum Kreislaufschock. Außerdem pumpt das Herz dagegen an, es möchte den Körper mit ausreichend Sauerstoff versorgen. Die Herzleistung sinkt.

Lebensgefahr!

Schnelle Hilfe ist gefragt, um den Blutklumpen aus der Arterie zu bekommen.
„So ein Blutgerinnsel kann sehr plötzlich auftreten, wenn es aus einer anderen Körperregion angeschwemmt wird. Es kann sich aber auch langsam aufbauen“, erklärt Chefarzt Dr. Markus Kemmer.

Das Team des Herzkatheterlabors am SRH Zentralklinikum Suhl mit Chefarzt Dr. Kemmer in der Mitte, links daneben der leitende Oberarzt Dr. Muhamet Sinani. Foto: SRH

Gemeinsam mit seinem Team im Herzkatheterlabor entfernte er jüngst gleich zwei solche großen Blutgerinnsel. Minimalinvasiv, also ohne Operation. „Wir nutzen dazu dieselbe Technik, die auch bei Herzinfarkten zum Einsatz kommt. An einem dünnen Draht wird über die Leistenvene ein Katheter durch das Herz bis zum Blutgerinnsel in der Lungenarterie geführt“, gibt der Leiter des Herzkatheterlabors, Dr. Muhamet Sinani zu Protokoll. Chefarzt Dr. Kemmer ergänzt: „Das tut nicht weh, weil unsere Blutgefäße nicht mit Nerven durchzogen sind. Wir haben dann die Möglichkeit, vom Herz aus das Blutgerinnsel unter Röntgenkontrolle aufzuspüren. Es stellt sich als gallertartiger Brocken in der Lungenarterie dar. Wenn nötig, wird es mit einem speziellen Katheter zunächst behutsam gelockert. Danach wird es mittels Unterdruck im Ganzen abgesaugt.“ Damit kann die Lunge wieder besser durchblutet werden, der Sauerstoffaustausch ist gewährleistet, die Unterfunktion der Lunge normalisiert sich ebenso wie die Überfunktion des Herzens.

Das in Suhl entfernte Blutgerinnsels auf einem Schaubild. Foto: SRH

Das Ergebnis ihres Eingriffs zeigen die Experten stolz. Schließlich muss es für Dokumentationszwecke ohnehin festgehalten werden. „Wir hatten bereits erste Erfahrungen mit dem Verfahren. Diesmal musste alles sehr schnell gehen. Gemeinsam mit dem Hersteller der Thrombektomie-Katheter haben wir über Nacht entschieden, das System zum Einsatz zu bringen. Innerhalb von 24 Stunden konnten wir unserem Patienten so sehr schonend helfen und ihm sehr sicher das Leben retten“, zeigt sich Dr. Sinani erfreut. Immer dann, wenn Medikamente zur Auflösung des Blutgerinnsels zu risikoreich wären, kann diese neuartige Technik zum Einsatz kommen. Bisher bietet nur die Uniklinik Jena in Thüringen eine durchgängige Versorgung mit den „Arterien Staubsaugern“ an. In Suhl sollen sie künftig ein Teil des Leistungsangebots werden und damit das Spektrum der allermodernsten Eingriffsmöglichkeiten wie minimalinvasiven Klappenersatz (TAVI, Mitraclips), unterstützte Hochrisiko-Koronarinterventionen (protected PCI) oder den kabellosen Mini Herzschrittmacher „Micra“ noch ergänzen.

Copyright – Verlagsgruppe HCSB

Nach oben scrollen
2021_Logo_Schrift_Vorteilhaft-leben_Initiative_blanko

Tipp des Monats

Osteoporose vorbeugen: Bewegung macht die Knochen stabiler

Damit die Knochen stark bleiben, braucht es nicht nur eine Ernährung, in der ordentlich Calcium steckt. Warum auch Bewegung so wichtig ist.

Knochen müssen regelmäßig belastet werden, um stabil zu bleiben und weniger schnell zu brechen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) hin. Belastung für die Knochen heißt: Bewegung.

Ob Fußballtraining, Joggen, Pilates oder Radfahren: Vor allem dann, wenn es sportlich wird, regt Bewegung den Knochenstoffwechsel an.

„Dies geschieht durch die Muskeln, die am Knochen ziehen. Sie geben das Signal, mehr Calcium in das Skelettsystem zu transportieren und einzulagern“, so Prof. Uwe Maus von der DGOU. Dadurch gewinnen die Knochen an Stabilität – und auch Osteoporose wird vorgebeugt.

Auch die Ernährung zahlt auf die Knochenstärke ein

Besonders wichtig ist Sport übrigens für Kinder und Jugendliche. Denn bei ihnen baut sich die Knochenmasse noch auf.

Ganz ohne die Ernährung geht es aber nicht. Wichtig ist daher, reichlich Calcium zu sich zu nehmen – etwa durch Lebensmittel wie Milch, Hartkäse, Mineralwasser oder Spinat. Damit der Körper das gut verwerten kann, braucht es Vitamin D. Das bildet der Körper mithilfe von Sonnenlicht, es steckt aber auch in fettem Seefisch wie Hering oder Lachs.