Harald Endres begleitet Patientinnen und Patienten von Intensiv- auf Pflegestationen.

Harald Endres hat den Blick eines erfahrenen Intensivpflegers. Zwölf Jahre lang arbeitete er „auf der 18“ – einer der drei Intensivstationen des Klinikums Bayreuth, der Intensivstation für Operative Intensivmedizin und Anästhesie. Und wenn Not am Mann ist, hilft er immer noch dort aus. Seine Hauptaufgabe ist seit ein paar Monaten aber eine andere. Und dafür braucht er diesen Blick.

Die Bezeichnung ist englisch, weil das Konzept aus dem englischsprachigen Raum kommt. Krankenhäuser dort haben viel weniger Kapazitäten auf ihren Intensivstationen. Es kann also zu einem Problem werden, wenn Patientinnen oder Patienten nach ihrer Abverlegung auf eine Pflegestation wieder intensivpflichtig werden. Seit einigen Jahren arbeiten dort CCOTs. Die Abkürzung steht für Critical Care Outreach Teams. Intensivfachpflegekräfte, die Patientinnen und Patienten nach einer Abverlegung auf Normalstationen gemeinsam mit den Pflegeteams betreuen und ihnen den Weg zurück auf die Intensivstation nach Möglichkeit ersparen.

Zuhören, Informationen sammeln

In Deutschland setzt sich dieses System langsam durch. An Krankenhäusern in Leipzig und Amberg gibt es Critical Care Outreach-Kräfte – und jetzt mit Harald Endres auch an der Klinikum Bayreuth GmbH. In Leipzig und Amberg hat er sich das System angesehen und auf die Klinikum Bayreuth GmbH zugeschneidert. Er ist jeden Tag bei der Visite auf der Intensivstation dabei. Er kennt also die Patientinnen und Patienten, weiß um deren Geschichte, bevor sie auf Normalstation verlegt werden.

So auch an diesem Morgen. Es ist kurz nach acht, Ärztinnen und Ärzte, das Pflegeteam der Intensivstation und Harald Endres sind pünktlich. Endres ist da schon eine Weile im Dienst. Er hat bereits gecheckt, welche Ärzte oder Stationsteams ihn auf digitalem Weg angefordert haben, um bei der Patientenversorgung mitzuwirken. Jetzt aber erst einmal zuhören, Informationen sammeln: Die Gruppe steht am Bett eines Mannes, der am Abend zuvor einen schweren Motorradunfall hatte. Harald Endres macht sich Notizen – sehr gut möglich, dass er diesen Patienten in ein paar Tagen erst auf Intensiv, dann auf einer Normalstation versorgt. Im Raum nebenan liegt ein Patient, der zum zweiten Mal operiert wurde. Endres kennt ihn, nimmt mit, was er über den aktuellen Zustand erfährt, und sagt zu ihm: „Ich komme dann noch einmal zu Ihnen. Wir sehen uns später.“ Es ist ein Moment der Vertrautheit.

Die ersten drei Tage nach der Verlegung sind die wichtigsten, sagt Endres. Wenn sich der Zustand der Patientin oder des Patienten verschlechtert, erkennt der erfahrene Intensivpfleger die Lage – gerade, weil er dessen Vorgeschichte kennt. Und er handelt. Endres unterstützt die Pflegeteams der Normalstationen mit seinem Wissen und Können. „Das ist ein gutes Miteinander“, sagt er. Und auch im Kontakt zu den behandelnden Ärztinnen und Ärzten ist er ein wichtiges Bindeglied. „Vier Augen sehen mehr als zwei. Zwei Stimmen sind deutlicher als eine.“

Superprojekt

Was Harald Endres macht, nennt Prof. Dr. Jörg Reutershan „ein Superprojekt. Er kennt die beiden Welten, die Intensivstationen und die Pflegestationen. Von seiner Arbeit profitieren die Patientinnen und Patienten erheblich und die Klinik spart Ressourcen“, sagt der Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin an der Klinikum Bayreuth GmbH.

Wenn es notwendig ist, dann geht Harald Endres auch den umgekehrten Weg. „Ja“, sagt er. „Es ist meine Aufgabe, Patientinnen und Patienten eine Rückverlegung auf Intensiv möglichst zu ersparen.“ Aber wenn es notwendig ist, dann geht es zurück auf die Intensivstation. Auch dafür hat er ihn, den Blick des Intensivpflegers. Was er tut, ist also kein Abbau von Patientensicherheit. Kein Diktat der Wirtschaftlichkeit. Im Gegenteil. Es ist ein enges Begleiten und situationsangepasstes Reagieren.

Für seine Initiative und sein Engagement wurde Harald Endres vor wenigen Wochen mit dem 1. Platz beim Bayreuther Pflegepreis des Vereins Vereint Lernen und Pflegen e. V. ausgezeichnet.

Harald Endres (rechts) ist das Bindeglied zwischen Intensiv- und Pflegestationen. Sein Ziel ist es, Patientinnen und Patienten eine Rückverlegung auf die Intensivstation möglichst zu ersparen. Foto: Klinikum Bayreuth
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Tipp des Monats

Osteoporose vorbeugen: Bewegung macht die Knochen stabiler

Damit die Knochen stark bleiben, braucht es nicht nur eine Ernährung, in der ordentlich Calcium steckt. Warum auch Bewegung so wichtig ist.

Knochen müssen regelmäßig belastet werden, um stabil zu bleiben und weniger schnell zu brechen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) hin. Belastung für die Knochen heißt: Bewegung.

Ob Fußballtraining, Joggen, Pilates oder Radfahren: Vor allem dann, wenn es sportlich wird, regt Bewegung den Knochenstoffwechsel an.

„Dies geschieht durch die Muskeln, die am Knochen ziehen. Sie geben das Signal, mehr Calcium in das Skelettsystem zu transportieren und einzulagern“, so Prof. Uwe Maus von der DGOU. Dadurch gewinnen die Knochen an Stabilität – und auch Osteoporose wird vorgebeugt.

Auch die Ernährung zahlt auf die Knochenstärke ein

Besonders wichtig ist Sport übrigens für Kinder und Jugendliche. Denn bei ihnen baut sich die Knochenmasse noch auf.

Ganz ohne die Ernährung geht es aber nicht. Wichtig ist daher, reichlich Calcium zu sich zu nehmen – etwa durch Lebensmittel wie Milch, Hartkäse, Mineralwasser oder Spinat. Damit der Körper das gut verwerten kann, braucht es Vitamin D. Das bildet der Körper mithilfe von Sonnenlicht, es steckt aber auch in fettem Seefisch wie Hering oder Lachs.